Das Erreichen tiefer Entspannung wird oft nicht durch physische Blockaden verhindert, sondern durch unser eigenes überlastetes Gehirn. Wir leben in ständigem Stress und sind von Verpflichtungen umgeben. Wenn wir uns dann im Schlafzimmer wiederfinden, scheint es fast unmöglich, vom ständigen Kontrollmodus in das reine Erleben umzuschalten. Genau hier kommen Achtsamkeit und bewusste Berührung ins Spiel.
Die Falle des Überdenkens
Vielleicht ertappen Sie sich in intimen Momenten dabei, wie Sie Ihre eigene Leistung bewerten, sich um Ihr Aussehen sorgen oder im Kopf den morgigen Einkauf planen. Dieser Zustand ständiger Selbstbewertung ist ein zuverlässiger Lustkiller. Damit der Körper absolute Lust erfahren kann, muss der Kopf einfach aus dem Weg gehen und aufhören, alles zu analysieren.
Der Atem als Anker in der Gegenwart
Das einfachste Werkzeug, um den Gedankenfluss zu stoppen, tragen Sie immer bei sich. Wenn Sie merken, dass Ihre Gedanken abschweifen, versuchen Sie nicht, sie gewaltsam zu unterdrücken. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit stattdessen sanft auf Ihre Atmung.
Vertiefen Sie die Atmung: Beginnen Sie langsam und tief direkt in den Bauch zu atmen. Eine flache Atmung signalisiert dem Körper Stress, während tiefe Atemzüge das Nervensystem aktivieren, das für Entspannung sorgt.
Folgen Sie dem Rhythmus: Nehmen Sie ganz bewusst wahr, wie sich die Lungen mit Luft füllen und wie mit jedem Ausatmen die Spannung aus Ihren Muskeln weicht.
Versuchen Sie Synchronisation: Wenn Sie mit einem Partner zusammen sind, versuchen Sie, im gleichen Rhythmus zu atmen. Diese unscheinbare Verbindung vertieft das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen ungemein.
Erwecken Sie Ihre Sinne durch Berührung
Den Kopf abzuschalten erfordert schlichtweg, den Körper zu hundert Prozent einzuschalten. Ein hervorragendes Werkzeug, um Achtsamkeit zu trainieren, ist eine erotische Massage. Konzentrieren Sie sich ausschließlich auf den physischen Kontakt und erkunden Sie ihn ohne jegliche Erwartungen.
Liebe zum Detail: Ob es ein sanftes Streicheln des Rückens ist oder sich Ihre Sinne auf eine ganz bestimmte Vorliebe verengen – wie es beispielsweise ein Footfetish erfordert – konzentrieren Sie sich auf die Beschaffenheit der Haut, die Temperatur und das Gewicht der Berührung. Bewerten Sie nicht, fühlen Sie nur.
Inspiration von den Profis: Tantrische Masseurinnen wissen sehr genau, dass das Ziel einer Berührung nicht der sofortige Höhepunkt sein muss. Ein leuchtendes Beispiel dafür ist die Lingam-Massage, die Männer lehrt, sich nicht auf schnelle Leistung zu konzentrieren, sondern die erwachte Energie und die Lösung mentaler Blockaden tief zu spüren.
Akzeptanz und völlige Hingabe
Ein Orgasmus lässt sich nicht durch reine Willenskraft erzwingen. Er ist das Nebenprodukt absoluter Hingabe und des Kontrollverlusts. Die Kontrolle abzugeben, ist für den menschlichen Verstand oft beängstigend, für den Körper jedoch maximal befreiend. Das ist übrigens auch der Grund, warum Praktiken wie BDSM für viele Menschen wie eine eigenwillige Form der Meditation wirken – die Notwendigkeit, sich absolut hinzugeben und dem Partner zu vertrauen, zwingt das Gehirn dazu, endlich abzuschalten.
Wenn während des Liebesspiels ein störender Gedanke auftaucht, machen Sie sich keine Vorwürfe. Lassen Sie ihn mit dem Ausatmen davonschweben und kehren Sie zu Ihrem Körper zurück. Die intensivste Lust entspringt nämlich dem Mut, einfach nur zu fühlen.




